Jeder zweite Patient verträgt Fruktose schlecht
Reizdarm durch Äpfel und Möhren
Wer gesundheitsbewusst leben möchte, sollte viel frisches Obst und Gemüse essen, heißt es. Wer Fruktose im Darm nicht richtig verwerten kann, büßt dies allerdings mit Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall.
Die Fruktosemalabsorption ist eine weit verbreitete Stoffwechselstörung, die auf eine Überlastung des fruktosespezifischen GLUT5 Transporters im Dünndarm zurückzuführen ist. Gelangt resorbierte Fruktose in den Dickdarm, wird sie durch Darmbakterien zu kurzkettigen Fettsäuren, Kohlendioxid, Wasserstoff und Methan verstoffwechselt. Schon ein Apfel a 200 g enthält bereits 11,5 g reine Fruktose. Etwa die Hälfte aller Erwachsenen kann aber nicht mehr als 25 g Fruktose pro Tag absorbieren. Rund 50 % der Betroffenen zeigen klinische Symptome.
Vorsicht mit Limonade: Fruktose-Versteck
Problematisch ist, dass sich der Verzehr von Fruktose in den letzten Jahrzehnten um ein Vielfaches erhöht hat. Das liegt in erster Linie am Konsum industriell gefertigter Nahrungsmittel, die fruktoseangereicherten Sirup aus Maisstärke enthalten. Dieser wird häufig Limonaden zugesetzt - viele Limonaden enthalten 60 g Fruktose pro Liter! Aber auch gesunde Nahrungsmittel wie Honig, Haselnüsse, Zwiebeln, Möhren, rote Beete und verschiedene Kohlsorten enthalten große Fruktosemengen.
Erst Bauchschmerz, dann Depression
Patienten mit Fruktosemalabsorption entwickeln ein Reizdarmsyndrom mit Schmerzen (vor allem im Unterbauch), Blähungen und Bauchkrämpfen. Durchfälle können sich mit Phasen von Obstipation abwechseln. Die Beschwerden verstärken sich nach dem Genuss fruktosereicher Nahrung wie Honig, Nüsse, Ketchup, Frucht- und Gemüsesäfte.
Da bei Fruktosemalabsorption auch die Resorption von Tryptophan schlechter funktioniert, sinkt auch die Serotoninsynthese: Die Patienten leiden evtl. an Depressionen und ständigem Hunger auf Süßes. Darüber hinaus sind bei Fruktosemalabsorption die Folsäure- und Zinkwerte im Serum erniedrigt.
Die Diagnose einer Fruktosemalabsorption kann mithilfe des H2-Fruktose-Atemtests erfolgen. Der Nachweis einer Fruktose-Intoleranz wird mittels Genanalyse durchgeführt. Wir leiten Ihren entspr. Auftrag an unsere Hausnachbarn, die Fa. BioGlobe, Labor für Molekulare Genetik weiter (90,34 €).
Fällt der Test positiv aus, sollten die Folsäure-, Zink- und Vitamin-C-Spiegel des Patienten überprüft werden.
Auch Zink und Folsäure oft erniedrigt
Die Therapie besteht darin, die Zufuhr von Fruktose und Sorbit (E 420, in diätetischen Nahrungsmitteln) mit der Nahrung auf ein verträgliches Maß zu reduzieren. Der Sorbitkonsum muss eingeschränkt werden, weil Sorbit die gastrointestinale Fruktoseabsorption zusätzlich vermindert. Am besten erhält der Patient eine Ernährungsberatung. Erniedrigte Zink- und Folsäurespiegel sollten substituiert werden.
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